Mit dir für immer
| Autor: | Rioja, Marcelo |
| Colaborador: | Rioja, Marcelo (Traductor) |
Mit dir für immer — Eine Rezension Marcelo Rioja
Mit dir für immer ist ein Buch, das seinen Titel nicht durch Behauptung verdient, sondern durch Akkumulation — Gedicht für Gedicht, mit einer Geduld, die selbst eine Form der Liebe ist.
Marcelo Rioja entwickelt eine lyrische Stimme, die in der zeitgenössischen Poesie selten zu finden ist: weder überschwänglich noch verschlossen, sondern präzise. Jedes Gedicht weiß, wie viel Raum es einnehmen darf. Jedes Bild weiß, wann es innehalten soll. In dieser Sparsamkeit liegt die größte Stärke des Buches — nicht in dem, was gesagt wird, sondern in dem, was im nachfolgenden Schweigen nachhallt.
Das Buch besitzt eine klare philosophische Architektur, die sich jedoch nie als solche ankündigt. Liebe ist hier weder Besitz noch Zuflucht. Sie ist Wiedererkennung. In Begegnung sind sie nicht mehr zwei Ufer, sondern ein einziger Fluss. In Freiheit kommt es nicht darauf an, an ihrer Seite zu sein, sondern mit ihr. In So ist es versucht er nicht, mehr zu lieben, sondern nicht vom Weg abzuweichen. Dieser Unterschied — klein in den Worten, gewaltig im Gefühl — durchzieht die gesamte Sammlung wie ein stiller Herzschlag.
Und der Herzschlag ist tatsächlich das zentrale Bild des Buches. Herzen, die schlagen, lernen, überfließen und sich ergeben, erscheinen in fast jedem Gedicht. In Schlagen lernen lernt das Herz ihren Rhythmus. In Die Zeit ohne dich kann die Zeit das Warten nicht messen. In Letzte Nacht werden zwei Herzschläge ununterscheidbar. Rioja kehrt zu diesem Bild nicht aus Gewohnheit zurück, sondern weil es präzise ist: Liebe ist wie ein Herzschlag — unwillkürlich, lebenswichtig und beständig.
Die Natur dient sowohl als Kulisse als auch als Sprache. Licht — warm, sanft, flüchtig — erscheint in fast allen Gedichten, stets als ihre Qualität, nie als abstraktes Hoffnungssymbol. Der Südwind, der Winter, die Sterne in zweitausendeinhundert Metern Höhe, die Karnevalsfarben, der Mond — sie sind keine Dekoration, sondern Koordinaten. Dies ist eine Liebe, die in einer bestimmten Geographie, einem bestimmten Körper, einer bestimmten Entfernung von fünftausendzweihundert Kilometern verortet ist.
Diese Entfernung ist vielleicht der ehrlichste Faden des Buches. Im Flüsterton nennt sie mit erschütternder Präzision, und dennoch ist das gesamte Buch ein Argument dagegen. Nicht indem sie geleugnet wird, sondern indem darauf bestanden wird, dass dennoch etwas ankommt — unter den Worten, durch die Stille, in jenem Herzschlag, den kein Kabel zu messen vermag.
Bei Rioja findet sich eine Spiritualität, die sich nicht ankündigt, aber das gesamte Buch trägt. Gebet, Bitte, die Demut vor Gott in In dir — diese Momente unterbrechen den Liebesfaden nicht, sie vertiefen ihn. Liebe und Glaube teilen hier dieselbe Grammatik: die Hingabe ohne Garantien, das Vertrauen in das, was man nicht sieht, aber das besteht.
Die Sammlung schließt — oder öffnet sich, je nachdem, von wo man beginnt — mit Die Zeit ohne dich und Winter, zwei Gedichten, die das gesamte Buch rahmen: das Warten und die Pflege der Glut. Zusammen bilden sie ein stilles Versprechen. Nicht Ich werde dich finden, sondern Ich werde das Feuer am Brennen halten, bis du kommst.
Mit dir für immer bittet nicht darum, schnell gelesen zu werden. Es bittet darum, getragen zu werden.